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Interview mit Dustin Brown

Düsseldorf Open 2014 – Ein ganz besonderes Erlebnis

von Johannes Spallek

Vom 18. – 24. Mai 2014 fanden auf der Anlage des Rochus Club die „Düsseldorf Open“ statt, der Nachfolger des World Team Cup. Ein „Muss“ für jeden Tennisfan, denn bei keinem anderen Turnier in der Nähe hat man die Chance die Spieler aus nächster Nähe zu betrachten. Klar war, dass der erste Termin der Samstag sein würde. Eintritt kostenlos und schon einmal die Spieler beim Training beobachten oder interessante Quali-Matches zu sehen. Kurz vor Turnierbeginn kam dann die Idee: man könnte einfach einmal versuchen, ein Interview mit einem deutschen Spieler zu ergattern. Auf der Turnier-Homepage nachgeschaut, wer denn so alles am Start ist, Homepages der Spieler besucht und Mails an das jeweilige Management geschrieben. Wahrscheinlich hat man kaum eine Chance ein Interview für eine Vereinszeitung zu bekommen, aber ein Versuch ist es wert. Knapp zwei Stunden nach den Mails dann die erste Antwort und die Überraschung war groß, als dann die erste Antwort gleich eine Zusage war. Wow… Und dann noch Dustin Brown. Super…

Hallo Herr Spallek,
vielen Dank für Ihre Mail und das Interesse des TuS Elch Holzwickede an Dustin.
Dustin ist gern bereit Ihnen im Rahmen der Düsseldorf Open für ein Interview zur Verfügung zu stehen. Bitte wenden Sie sich an die Pressestelle der Düsseldorf Open, die dann sicher gern einen entsprechenden Termin mit der Matchplanung koordinieren.
Mit freundlichem Gruß
Management

Natürlich sofort zurück an den Rechner. Bei den Düsseldorf Open nach der Pressestelle gesucht und die Zusage des Interviews mit einer entsprechenden Anfrage gemailt. Auch hier lies die Antwort nicht lange auf sich warten:

Sehr geehrter Herr Spallek,

 Danke für die Information.

Alle Spielerinterviews während des ATP-Turniers in Düsseldorf müssen bei der ATP angemeldet werden. Der Verantwortliche vor Ort wird dann Ort/Zeit festlegen.

Wenn Sie morgen auf der Anlage sind, kommen Sie doch bitte zu mir oder meiner Kollegin Frau Kandler ins Pressezentrum (1. Stock des Clubhauses). Wir sollten dann schon das entsprechende "Anmelde-Formular" der ATP vorliegen haben und vielleicht sogar schon eine Telefonnummer, unter der Sie die ATP erreichen können.

 Mit freundlichem Gruß

Nicola Schnitzler

Die Spannung und die Vorfreude auf den ersten Tag des Turniers steigt sofort noch weiter. Am Samstag also gleich zur Pressestelle. Der entsprechende Antrag liegt vor. Alles hochoffiziell und professionell. Schnell ausgefüllt mit der Hoffnung auf eine positive Reaktion der ATP. Irgendwann am Mittag dann einen Blick aufs Handy. Ein Anruf auf Düsseldorf. Mist. Verpasst. Aber als Tennisfan stellt man sein Handy natürlich auf lautlos wenn man am Platz sitzt. Also noch einmal zurück zur Pressestelle. Der Herr von der ATP ist da und bietet mir einen Termin nach dem Einzel von Dustin Brown am Montag an. Natürlich nehme ich diesen Termin an und begebe mich gleich zur Kasse um eine Eintrittskarte für Montag zu besorgen.

Am Montag dann die Gewissheit. Dustin Browns Spiel ist als letztes auf dem Center Court angesetzt. Den Rest des Tages verbringe ich fast mehr an den Trainingsplätzen, als auf dem Center Court. Um ca. 17 Uhr dann das Spiel Dustin Brown gegen die Nummer 5 der Setzliste, Yen-Hsun Lu, immerhin Nummer 48 der Weltrangliste. Dustin Brown gewinnt glatt in zwei Sätzen und zeigt dabei einmal mehr, warum er so ein Publikumsmagnet ist. Spektakuläre Schläge und emotionale Ausbrüche auf dem Platz. Einfach klasse.

Sofort nach dem Einzel geht es zurück zur Pressestelle. Dort soll ich warten. Ich werde allerdings hereingebeten und man drückt mir einen Presseausweis in die Hand mit der Möglichkeit, an der offiziellen Pressekonferenz teilzunehmen. Natürlich gern. Was für eine Frage. Jetzt bietet sich also auch noch die Möglichkeiten, hinter die Kulissen eines ATP-Turniers zu schauen.

Die Pressekonferenz dauert nicht lang. Kaum Fragen der Journalisten. Vor mir sind dann noch zwei niederländische Journalisten dran. Das Interview auf Englisch verläuft leider nicht ganz so gut. Einige Fragen hatte ich mir auch aufgeschrieben. Diese streiche ich lieber, damit er nicht zwei Mal das gleiche erzählen muss. Dann noch ein deutscher Journalist. Erste Frage: „Wie nennt man das, was Sie da auf dem Kopf haben?“. Antwort: „Mütze.“ Ok. Solch „interessante“ Fragen habe ich zum Glück nicht. 

Jetzt aber das Interview:

Elch: Wie sind Sie zum Tennis spielen gekommen?

Dustin Brown: Als ich fünf Jahre alt war haben wir neben einem Tennisplatz gewohnt und der Tennistrainer war ein Familienfreund. Als ich jung war habe ich viele Sportarten ausprobiert und Tennis war eine davon.

Elch: Warum haben Sie sich entschieden, Profispieler zu werden?

Dustin Brown: Ich wollte immer irgendetwas mit Sport machen, entweder Tennis oder Fußball. Am Ende ist es dann Tennis geblieben. Ich war dann auch sehr glücklich, dass es so gelaufen ist. Ich meine, man muss sich immer für irgendetwas entscheiden und mit dieser Entscheidung bin ich sehr glücklich. Anscheinend war es die richtige Entscheidung.

Elch: Das denke ich auch. Was ist denn das schwierigste an einer Karriere als Profispieler? Das viele Reisen?

Dustin Brown: Alles. Es gibt mentale Probleme, finanzielle Probleme. Das gibt es aber bei jedem Job. Nicht jeder Tag schön, nicht jeder Tag ist schlecht. Man versucht, so gut wie möglich damit umzugehen.

Elch: Welches war denn ihr bisher größter Sieg auf der Tour?

Dustin Brown: Ich denke mal, es werden zwei sein. Einmal gegen John Isner und einmal gegen Lleyton Hewitt in Wimbledon.

Elch: Und die vielleicht schlimmste Niederlage?

Dustin Brown: Gute Frage, das ist schwer zu sagen. Es gibt viele Niederlagen, die extrem bitter sind, aus verschiedenen Gründen. Entweder man hat schlecht gespielt, oder man wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen. Das ist immer unterschiedlich. Hier fällt mir jetzt eigentlich keine besondere Niederlage ein.

Elch: Ist man nach so vielen Spielen noch nervös, wenn das Spiel gut besucht ist, oder wenn man auf dem Center Court in Wimbledon spielt? Kann man das ausblenden?

Dustin Brown: Wir gehen da raus, um Tennis zu spielen und man muss das dann irgendwie kontrollieren. Gegen Lleyton Hewitt in Wimbledon ist natürlich immer etwas anderes, als wenn ich zuhause in Deutschland spiele. Auf so einem Center Court ist natürlich immer noch etwas anderes. Über die Jahre lernt man das und je öfter man auf so einem Platz spielt, umso besser und einfacher wird es.

Elch: Welche Ziele haben Sie denn noch in ihrer Karriere?

Dustin Brown: Ja, es ist alles offen. Ich spiele gutes Tennis und versuche mir da keinen Druck zu machen, einfach Match by Match zu sehen und gutes Tennis zu spielen?

Elch: Wie sieht es aus mit Davis Cup für Deutschland?

Dustin Brown: Da müssen Sie den Davis Cup Kapitän fragen.

Elch: Aber Lust hätten Sie schon?

Dustin Brown: Ja, natürlich. Davis Cup ist immer sehr schön. Es macht viel Spaß. Ich bin schon einmal in den Genuss gekommen, für Jamaika zu spielen und ich denke, dass jeder für sein Land gerne Davis Cup spielen möchte.

Elch: Mit welchen Spielern verstehen Sie sich am besten auf der Tour?

Dustin Brown: Einer war ja gerade bei der Pressekonferenz mit dabei, Christopher Kas. Es sind viele von den deutschen Spielern, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Björn Phau, Peter Gojowczyk. Die normale Bandbreite, die von den Spieler auch immer da ist, mit denen trifft man sich. Björn und Kasi sind dann wahrscheinlich eher meine besseren Freunde, mit denen man sich privat mal trifft. Wenn man dann auf Reisen ist, fährt man bei ihnen vorbei und geht dann auch einmal Abendessen mit der Familie außerhalb des Tenniszirkusses. Es sind erstens gute Tennisspieler und zweitens auch sehr nette Menschen.

Elch: Welches ist denn Ihr Lieblingsturnier? Wimbledon nach dem großen Erfolg im letzten Jahr?

Dustin Brown: Es ist schwer zu sagen. Es gibt viele Gründe, warum manche Turniere schön sind. Düsseldorf ist ein sehr nettes Turnier, weil man vor heimischem Publikum spielt und viele Freunde sind hier aus Köln. Ich spiele in Gladbach Liga, da kann man hier viele Bekannte treffen. Houston war zum Beispiel auch ein sehr schönes Turnier. Es war ein bisschen kleiner und die Leute haben sich sehr gut um die Spieler gekümmert. Jedes Turnier hat seine eigenen Vorzüge und da fühlt man sich im Normalfall auch sehr wohl.

Elch: Sie haben auch schon Doppel-Titel auf der ATP-Tour gewonnen, aber mit wem würden Sie gerne einmal Doppel spielen, mit dem Sie noch nie zusammengespielt haben?

Dustin Brown: Das ist eine gute Frage. Mit wem habe ich noch nie gespielt? (überlegt) Mit dem Rafa habe ich noch nie gespielt. Das würde auf jeden Fall Spaß machen und dann gehe ich davon aus, dass man das Turnier auf jeden Fall auch gewinnen kann (lacht). Es ist immer unterschiedlich, man versucht immer viele neue Sachen auszuprobieren. Es ist jetzt das zweite Mal, dass ich mit Julian (Anmerkung: Julian Knowle aus Österreich, ein ausgesprochener Doppel-Spezialist). Spiele und wir spielen ein ziemlich gutes Doppel. Es ist jetzt eher zufällig, dass wir zusammen spielen. Weil sich sein Partner verletzt hat, konnten wir in München zusammen spielen und mal sehen, wie sich das hier diese Woche entwickelt.

Elch: Wie wäre es denn mal Mixed zu spielen, vielleicht mit Sabine Lisicki in Wimbledon?

Dustin Brown: Das kann man natürlich auch machen. Ich habe schon einmal Mixed gespielt. Aber ich muss sagen, dass ich dann immer ein bisschen Angst habe, die Frau zu verletzen. Wenn der Mann dann durch die Mitte serviert und ich dann eine Vorhand longline spiele… Beim Herren-Doppel interessiert mich das nicht, da denke ich auch nicht drüber nach. Aber wenn so eine Vorhand auf eine Frau fliegt und die dann nicht richtig reagiert und vielleicht an den Kopf bekommt… Es war unangenehm, Mixed zu spielen. Ich denke, dass müsste ich dann ein paar Mal üben, dass ich da keine Hemmungen habe. Man ist aber schon gefährdet, dass man jemanden verletzt.

Elch: Zum Abschluss noch eine Frage. Ich habe damals zu Zeiten von Steffi Graf und Boris Becker angefangen. Damals hatte Tennis einen wahnsinnig großen Stellenwert in Deutschland, jetzt ist das leider nicht mehr so. Den Vereinen laufen teilweise doch die Mitglieder weg. Was meinen Sie, was kann man am besten dagegen tun?

Dustin Brown: Das wichtigste ist, dass mehr Tennis im Fernsehen gezeigt wird. Ich denke, wenn mehr Tennis gezeigt würde, dann würden die Leute auch viel mehr gucken, aber heutzutage wird dann halt Curling gezeigt.

Elch: Das stimmt wohl, aber Ihr Einzel gerade war ein gutes Argument dafür, dass mehr Tennis gezeigt werden sollte. Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für den weiteren Turnierverlauf.

Dustin Brown: Vielen Dank.

Mein Fazit: Ein sehr netter, sehr offener und sympathischer Mensch. Gar nicht arrogant oder mit Starallüren ausgestattet. Wer einmal ein paar geniale Bälle von Dustin sehen möchte, gibt einfach mal bei YouTube: "DreddyTennis" ein, oder klickt hier.

Zum Schluss noch ein kurzes Profil:

Name: Dustin Brown

Geb.: 08. Dezember 1984 in Celle

Nationalität: Deutscher / Jamaikaner

Rangliste: ATP Einzel 82 (Stand: 26. Mai 2014)

Erfolge:

5 Turniertitel auf der ATP Challenger-Tour im Einzel

2 Titel auf der ATP-Tour im Doppel

Homepage: www.dustinbrown.de